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Die Anzahl aller heute auf dieser Erde lebenden Menschen ist wesentlich größer als vor 15000 Jahren, es müßte das mehrfach Zehnfache als damals sein. Jede heute lebende Einzelperson hat theoretisch und praktisch bedeutend mehr Möglichkeiten einen anderen Menschen zu treffen als in der dünnbevölkerten Welt von damals. Darum ist die Anzahl von Ereignissen zwischen den Menschen um das Vielfache größer. Gibt es mehr Menschen, und treffen mehr aufeinander, passiert auch mehr. Soweit soll die Theorie der Zahlenmengen und der Kombinatorik sehr kurz gestreift sein.

Nehmen wir es mal positiv. Gibt es mehr Menschen, wird wohl mehr miteinander gesprochen und es gibt auch mehr Menschen mit Einfällen. Es wird mehr erdacht, zum Beispiel der Getreideanbau, das runde Rad, die Stahlherstellung oder die elektronische Komunikation über sogenannte digitale Geräte und Automaten. Die allerwenigsten Erfindungen wurden von einer Person allein gemacht, der Erfinder baute stets auch auf dem Wissen der Vor-ihm-Gewesenen und der Mit-ihm-Lebenden auf.

Heutzutage findet der Austausch beziehungsweise einfach die Verbreitung von Mitteilungen zu irgendwelchen, wichtigen und weniger wichtigen, Ereignissen meist verzögerungarm oder gar -frei und global statt. Sofern ein Mensch heute Zugang zur weltweiten Kommunikation hat, kann er sich global mitteilen.

Ist die Zunahme von Ereignissen nun scheinbar oder real? Das massige Auftreten von politischen und sozialen Ereignissen sollte man nicht mit Naturkatastrophen wie einem Erdbeben oder einem Vulkanausbruch gleichsetzen. Erdbeben und Vulkanausbrüche haben ihren Ursprung außerhalb des Menschen, zumindest meist in unserer Gegenwart. Mathematisch begründet passiert tatsächlich mehr im Leben der Menschheit auf dieser Welt als vor Jahrtausenden. Und Ereignisse werden weltweit mitgeteilt.

Weniger positiv ist Folgendes. Ein Fehler wie eine unbedachte Äußerung oder ein Mißverständnis kann sich potenzieren. Fehler können sich hochschaukeln. Und können schwerwiegende Folgen haben. Diese Fehlersituation gab es schon vor dem Umgang mit digitaler Technik. Aber durch diese Digitaltechnik geht es viel schneller.

Die künstliche Intelligenz entwickelt sich. In unserer Zeit versteht man darunter etwas anderes als noch vor Jahrzehnten, als ein Datenbanksystem schon der, vorläufige, Höhepunkt einer rechentechnischen Entwicklung war. Künstliche Intelligenz, wie wir es heute meinen, gehört zur Kategorie der stochastischen Systeme. Es gibt stochastische und deterministische Systeme. Das eine System berechnet alle Möglichkeiten die es geben kann, es rechnet bis zum Ende. Im Fall einer Schachpartie zum Beispiel könnten alle möglichen Züge der Spieler im Vorab berechnet werden. Das dauert lange. Doch Hard- und Software werden immer besser. Noch länger dürfte die Vorabberechnung der Bewegung aller Atome einer betrachteten Sache innerhalb einer bestimmten Zeit werden. Oder die Vorausbrechnung der Entwicklung der menschlichen Gesellschaftssysteme,- da hierbei mit sehr vielen unbekannten Variablen zu rechnen wäre, dürfte diese denkbare Berechnung im Moment und darüber hinaus nicht erfolgreich realisierbar sein.

Da manches eben auch so lange dauert, wählt man die Alternative, die Stochastik. Die Stochastik berechnet nicht alle Möglichkeiten. Sie ahnt mehr, sie arbeitet mit dem Zufall, man könnte sagen, sie rät Ergebisse. Es geht schneller, wenn einige Möglichkeiten weggelassen werden. Aber die Stochastik macht Fehler, ähnlich dem menschlichen Gehirn. Das menschliche Gehirn und rechentechnisch stochastische Systeme sind prinzipiell nicht fehlerfrei. Beide liefern über weite Spannen gute bis hervorragende Ergebnisse. Aber irgendwann machen sie Fehler. Gleich wie folgenreich ein technischer Fehler ist, man kann der Technik keinen Vorwurf machen.

Auch überdenkenswert könnte dieses sein. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Man kann auch etwas überspitzt sagen, der Mensch ist ein Herdentier, er folgt den Anderen. Gleichzeitig ist in vielen Ländern seit Zeiten eine Entwicklung zur starken Individualisierung festzustellen. Beide Sachverhalte führen zum Phänomen der sozialen Blase. Der Mensch hat Kontakt zu anderen, die ihm in manchem gleichen, und gleichzeitig grenzt er sich von anderen, die etwas anders sind, ab. Er sieht und hört am liebsten was er sowieso schon gern sieht und hört, er will nicht zur Kenntnis nehmen was seiner inneren Wertung zuwiderläuft. War das nicht schon immer so?

Wir kommunizieren was die Technik hergibt. Aber verstehen wir einander auch besser?

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